Patrozinium Herz-Jesu Pressig


Bittgang aus Rothenkirchen
Zum 100-jährigen Jubiläum der Kirchengemeinde Herz-Jesu Pressig bereicherten die Gläubigen der Nachbarpfarrei St. Bartholomäus aus Rothenkirchen das Patroziniumsfest Herz-Jesu am Sonntag in Pressig. Mit musikalischer Begleitung ihres Musikvereins Rothenkirchen machten sie sich nach jahrhundertealtem Brauch zum Bittgang nach Pressig auf. „Es gibt genug Gründe Gott zu danken und Gott auch Bitten vorzutragen", erklärt Arno Hoffmann (Wortgottesdienstleiter, Lektor und Kommunionhelfer) der St. Bartholomäus-Pfarrei Rothenkirchen. Früher war dies mehrmals im Jahr ein schöner Brauch, dass zu den Nachbargemeinden und Kirchen gepilgert und prozessiert wurde. Die Wallfahrten und Prozessionen gingen sogar bis nach Glosberg und Gößweinstein, informiert Ortsheimatpfleger Josef Beitzinger. Er trug die sogenannte Vortragetafel, die nach dem Kreuz und den Ministranten folgte.
Im Bittgang durch die Fluren wird Gott, mit Gebeten und Gesang darum gebeten, Stürme und Katastrophen fern zu halten. Die Vortragetafel ist uralt, könnte sogar noch aus den Jahren des Ursprungs der Bittgänge stammen die, so viel er weiß, bis etwa ins Jahr 1730 zurück reichen. Die Vortragetafel zeigt auf der einen Seite das Gnadenbild der Madonna vom Hochaltar in Glosberg und auf der anderen Seite die Krönung Mariens, ein Motiv wie es der Altar in der Wallfahrtsbasilika Gößweinstein zeigt. Josef Beitzinger holte die Vortragetafel, die über Jahre in Vergessenheit geraten war, 1971 wieder aus dem Archiv hervor. Seitdem trägt er es zu verschiedenen Bittgängen immer bei der Prozession oder Wallfahrt nach dem Kreuz vorausgehend, vor den Gläubigen. Beitzinger kümmert sich dabei vor jedem Bittgang auch um die liebevoll angelegte Ausschmückung und Verzierung mit bunten Blumen und grünen Blättern. Damit ließ er eine alte kirchliche Tradition wieder aufleben und fand auch die Aufmerksamkeit der Pressiger beim Bittgang.
Festgottesdienst zum Patrozinium
Die Vortragetafel wurde während des Festgottesdienstes am Altar abgestellt. Pater Helmut Haagen zelebrierte den Festgottesdienst und hatte eine Predigt in selbst gereimten Mundart- Versen zum Herz-Jesu verfasst. Das Herz ist nicht nur Motor des menschlichen Körpers, sondern in ihm wohnen auch Glück und schmerz gelichermaßen. Mit Blick in die Bibel aber wird das Herz noch bedeutsamer. Das Herz-Jesu als Schutzpatron der Herz-Jesu-Kirche in Pressig soll stets daran erinnern, Gott hat immer ein offenes Herz für Anliegen der Gläubigen und ist bei Trübsal, Schmerz und Leid stets mit dabei. Die tiefsinnig und nachdenklich stimmende Mundart-Predigt endete mit einem heißen Tipp zum Patrozinium: „Wenn ihr aufs Herz vom Jesu schaut, um seinetwillen Gott vertraut, auf ihn stellt eure Lebensweichen, dann muss sich auch der Schrecken schleichen und dann ganz neu sich wieder zeigt, Gott ist uns herzlich zugeneigt". Spontan gab es viel Beifall von den Gläubigen dieser denkwürdigen Patroziniumsfeier.
Stärkung für Bittgänger
Anschließend bewirteten die Pressiger ihre Rothenkirchener Gäste im Jugendheim um diese für den Fuß-Bittgang zurück nach Rothenkirchen zu stärken. Der Bittgang, der vom Musikverein Rothenkirchen begleitet wurde, wurde von Arno Hoffmann (Lektor, Kommunionhelfer und Wortgottesdienstleiter), Wolfgang Bergmann (Lektor und Kommunionhelfer) und Sabine Müller (Lektorin und Kommunionhelferin) geleitet.
Infos
Schon seit 1913 wird das Patrozinium, also das Kirchenfest zu Ehren des Schutzbefohlenen einer Kirche, findet in Pressig seit 1913 statt, weshalb dieses Jahr also 100-jähriges Jubiläum gefeiert wird. Bereits die Notkirche von 1913 sowie die gesamte katholische Kirchengemeinde wurden auf Anregung von Pfarrer Johann Baptist Barnickel (ein gebürtiger Pressiger) und durch die Befürwortung der Mitglieder des Kirchenbauvereins unter das Patronat des heiligsten Herzen Jesu, gestellt. In der ehemaligen Notkirche von 1913 bildete Christus als Herz-Jesu-Statue den Mittelpunkt des Hauptaltars. In der neuen, im Jahr 1956/1957 erbauten, Herz-Jesu-Kirche, wird Jesus mit geöffneten Herzen eindrucksvoll auf einem Mosaikbild dargestellt. Im Jahr 2008 ruft Papst Benedikt XVI im Juni- Angelus-Gebet zur Erneuerung der Herz-Jesu-Frömmigkeit auf. Er beschreibt dabei das Herz Jesu als Symbol des christlichen Glaubens: „Das Herz Jesu sei nicht allein dem Volke, sondern auch den Mystikern und Theologen ein besonders wertvolles Symbol des christlichen Glaubens.
