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Weltgebetstag

Weltgebetstag 2017
Datum:
Veröffentlicht: 1.3.17
Von:
Michael Trebes

Gottesdienst am Freitag, 3. März, 19.30 Uhr in der Martin-Luther-Kirche; anschließend gemütliches Beisammensein mit Speisen von den Philippinen, dem Land des Weltgebetstages.

Der Gottesdienst wird weltweit am 3. März 2017 gefeiert wird. Verfasst wurde er von mehr als 20 christlichen Frauen unterschiedlichen Alters und aus allenRegionen des Inselstaates. Beteiligt waren evangelisch-lutherische, episkopale, römisch-katholische, methodistische und baptistische Frauen, Frauen der Heilsarmee, der United Church of Christ in the Philippines (UCCP), der Unabhängigen Philippinischen Kirche und der Iglesia Evangelica Unida de Cristo.

Die Philippinen sind ein Land der Extreme: Auf der einen Seite Naturschönheiten wie Urwälder, Riffe und Weltkulturerbestätten wie die Reisterrassen von Banaue, auf der anderen Seite zerstörerische Naturgewalten wie Vulkane, Taifune und Überschwemmungen. Die Inselgruppe weist eines der artenreichsten Öko-Systeme der Welt auf und doch ist dieses akut bedroht von Abholzung, Überfischung und wachsender Umweltverschmutzung. Die Gesellschaft ist geprägt von einer extremen Ungleichheit zwischen Arm und Reich.

Ins Zentrum ihrer Gottesdienstordnung haben die philippinischen Weltgebetstagsfrauen das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg (Matth. 20, 1-16) gestellt. In ihrer Beschäftigung damit bringen sie die Tradition eines gemeinwirtschaftlichen Handelns – Dagyaw genannt – ein.

Während der arbeitsintensiven Zeiten von Aussaat und Ernte helfen sich hier die Nachbarinnen und Nachbarn gegenseitig. Niemand bekommt dafür Lohn, aber alle einen Anteil an der Ernte. In den indigenen Gemeinschaften auf den Philippinen ist ein solches gemeinschaftliches und v. a. nachhaltiges Wirtschaften noch am ehesten verbreitet. Auf der zweitgrößten Insel Mindanao ist diese Tradition als „Bayanihan“ bekannt.

In der Gottesdienstordnung setzen philippinische Frauen ihre Dagyaw-Tradition dem im Gleichnis herrschenden Wirtschaftssystem entgegen. Sie beschreiben damit ökonomische Alternativen, die genau das verhindern wollen, was im biblischen Gleichnis als Alltag beschrieben ist und auch heute noch für viele Menschen weltweit gilt: prekäre Arbeitsverhältnisse ohne jegliche Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit.

Parallelen im Philippinischen Alltag

In den Begleitmaterialien zu ihrem Gottesdienst vergleichen die philippinischen Frauen die Situation der Arbeiter im biblischen Gleichnis mit der Situation von Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Philippinnen, z.B. mit den Menschen, die in der Zuckerproduktion auf der Insel Negros tätig sind. Einige dieser Arbeiter wohnen und arbeiten mit ihren Familien unter ärmlichen Verhältnissen auf den Plantagen.

Zur Haupterntezeit werden, oft über Agenturen oder Vermittler, weitere Arbeitskräfte eingestellt. Diese Arbeiter kommen oft von weit her und verlassen ihre Familien für mehrere Monate.

Zwar bekommen sie im Vorfeld einen Teil ihres Lohnes ausbezahlt, um damit während ihrer Abwesenheit das Überleben ihrer Familie zu sichern. Dieser ausbezahlte Lohn gilt allerdings als Darlehen und wird verzinst. Am Ende bleibt letztlich zu wenig übrig, um die Familien zu ernähren. Und Familien auf den Philippinen sind in der Regel groß. Sechs Kinder sind keine Seltenheit.

12 Mio. Filipinas und Filipinos sind arbeitslos. Die meisten von ihnen leben in den ländlichen Regionen. Hier sollte eine Agrarreform Abhilfe schaffen, die 1988 in Kraft trat und die Umverteilung von Agrarland ab fünf Hektar Größe an Landlose und Landarbeiter/innen vorsah.

Die Bilanz ist ernüchternd:

Durch Verzögerung der Umsetzung sowie Schlupflöcher im Gesetz sind erst 17% der ursprünglich geplanten 1,5 Mio. Hektar Land umverteilt. Anhaltende Landflucht und Abwanderung in die großen Städte oder/und nach Übersee sind die bittere Folge.